Anton Szandor LaVey

Sein gesamter Werdegang schien Anton Szandor LaVey – von seinen Anhängern auch „Der schwarze Papst“ genannt – auf eben diese Rolle im späteren Leben vorzubereiten. Er war ein Nachkomme georgischer, rumänischer,und elsässischer Großeltern. Eine seiner Großmütter war eine Zigeunerin, die ihm Geschichten von Vampiren und Hexen aus ihrem Heimatland Transsylvanien erzählte. Schon mit fünf Jahren las er die „Weird Times“(Unheimliche Geschichten – amerikanische Zeitschrift) und Bücher wie Mary Shelley´s „Frankenstein“, oder Bram Stoker´s „Dracula“.

Obwohl er sich von anderen Kindern unterschied, ernannten diese ihn zum Anführer bei Paraden und Manövern in fiktiven militärischen Verbindungen. 1942, als LaVey 12 Jahre alt war, brachte ihn seine Vorliebe für Zinnsoldaten dazu, sich Gedanken über den 2. Weltkrieg zu machen. Er vertiefte sich in militärische Handbücher und entdeckte,dass die Arsenale, mit denen Armeen und Kriegsflotten ausgerüstet werden,um Nationen zu erobern,so einfach zu erwerben sind,wie Lebensmittel im Supermarkt. In ihm wuchs der Gedanke, dass – entgegen der Aussage der Bibel – nicht die Schwachen, sondern die Mächtigen die Welt beherrschen.

In der High School war LaVey eine Art „seltsames Wunderkind“. Seine intensiveren Studien fanden allerdings ausserhalb des Unterrichts statt. Er vertiefte sich in Musik, Metaphysik und die Geheimnisse des Okkultismus. Mit 15 wurde er zweiter Oboist des San Francisco Ballet Symphony Orchestra. Er brach die High School schon bald gelangweilt ab, verließ sein Zuhause und schloss sich dem „Clyde Beatty Circus“ als Tierpfleger an,wo er für die Fütterung der Löwen und Tiger zuständig war. Der Dompteur Beatty bemerkte,wie geschickt LaVey im Umgang mit den Großkatzen war,und machte ihn zu seinem Assistenten. Von Kindheit an hatte LaVey eine Vorliebe für Kunst und Kultur, so dass ihn der Reiz, Dschungelbewohner zu dressieren und mit ihnen als Stellvertreter Beatty´s zu arbeiten nicht befriedigte.

Bereits mit 10 Jahren hatte er sich das Klavierspielen nach Gehör beigebracht, was sich als vorteilhaft erwies, als der Calliope Spieler,der die Darbietungen musikalisch begleitete, vor der Vorstellung betrunken war, und nicht auftreten konnte. LaVey bot sich freiwillig als Ersatz an, darauf vertrauend, dass er mit der ungewohnten Tastatur ausreichend gut umgehen konnte, um die gewünschte Begleitmusik zu erzeugen. Es stellte sich heraus, dass er mehr von Musik verstand, und besser spielen konnte, als der eigentliche Calliope Spieler, so dass Beatty den Betrunkenen kurzerhand entliess und LaVey an dem Instrument einsetzte. Unter anderem begleitete er so Hugo Zachinni, „die lebende Kanonenkugel“ und die Hochseilakte des Wallendas.

Mit 18 verließ LaVey den Zirkus, und schloß sich einem Jahrmarkt an. Dort wurde er Assistent eines Magiers, erlernte Hypnose und befaßte sich noch intensiver mit dem Okkultimus. Es war eine seltsame Kombination – einerseits arbeitete er in einer sehr rauhen Atmosphäre – weltliche Musik, der Geruch nach wilden Tieren und Sägespänen. Vorführungen, bei denen geringe Unachtsamkeiten Unfall oder Tod bedeuteten, Auftritte, die jugendliche Kraft vorraussetzten, und bei denen ältere als altes Eisen abgeschoben wurden. Eine Welt voller Nervenkitzel und Attraktionen. Andererseits beschäftigte er sich mit der Magie, der dunklen Seite des menschlichen Verstandes. Vielleicht war es grade diese seltsame Mischung, die seine Meinung über die Menschheit zu beeinflussen begann, während er auf den Jahrmarktvorstellungen Orgel spielte.

„Samstagabends“,erinnert sich LaVey“, sah ich regelmäßig Männer, die lüstern die halbnackten Tanzmädchen auf dem Jahrmarkt anstarrten, und wenn ich Sonntagsmorgens die Veranstaltungen der Evangelisten in einem Zelt am anderen Ende des Festplatzes auf der Orgel begleitete, sah ich die gleichen Männer wieder. Hier saßen sie mit ihren Frauen und Kindern auf den Bänken und baten Gott um Vergebung,und Befreiung von ihren fleischlichen Trieben. Und am nächsten Samstagabend waren sie dann wieder auf dem Festplatz und starrten die Mädchen an. Mir wurde klar, dass die christliche Kirche nur durch ihre Scheinheiligkeit Erfolg hat, und dass sich der Geschlechtstrieb des Menschen immer wieder durchsetzt.“

Nachdem LaVey 1951, im Alter von 21 Jahren, geheiratet hatte, verließ er den Jahrmarkt, um eine Karriere zu beginnen, die sich mehr für die Schaffung eines eigenen Hausstandes eignete. Er hatte am City College of San Francisco einen Kursus als Kriminologe belegt, was zu seiner ersten, gesellschaftlich anerkannten Tätigkeit führte – nämlich Fotograf bei der Polizei von San Francisco. „Ich sah die blutigste, grausigste Seite der menschlichen Natur“, erzählt LaVey. „Menschen, die von Verrückten erschossen, von ihren Freunden erstochen; kleine Kinder, die von flüchtenden Fahrern blutüberströmt am Straßenrand liegengelassen wurden.

Ich fragte mich „Wo ist Gott?“ und begann, die frömmelnde Haltung der Leute, die bei Gewalttaten immer nur sagten: „Es ist Gottes Wille“, zu verachten.“ Obwohl er es damals noch nicht wußte, war LaVey auf dem Weg, eine Religion zu formulieren, die als Antithese zum Christentum und seinem judäischen Erbe dienen sollte. Es war eine alte Religion,älter als das Christentum, oder der Judaismus. Ihre Gedanken und Rituale waren jedoch nie in feste Formen von Gedanken oder Ritualen gebracht worden. Dies sollte LaVey´s Aufgabe im zwanzigsten Jahrhundert der Zivilisation sein.

In der letzten Aprilnacht des Jahres 1966 – der Walpurgisnacht, dem wichtigsten Fest in der Überlieferung von Magie und Hexenwesen, rasierte LaVey sich rituell sein Haupthaar, nach Art alter Scharfrichter, und verkündete die Gründung der Church of Satan. Er erkannte, dass eine Kirche gebraucht wurde, die Verstand und Triebe des Menschen als Anlaß zum Feiern wiederentdeckte. „Da die Verehrung des Fleisches Wonne bereitet,“ sagte er, „soll ein herrlicher Tempel der Sinnesfreuden entstehen“ Zunächst beschränkte sich die Mitgliederschaft der „Church of Satan“ auf nur etwa 100 Mitglieder, erst später gelangte sie zu größerer Popularität.

So waren, bzw. sind prominente Mitglieder u.a. Roman Polanski (Rosemary´s Baby; hier spielte LaVey den Teufel), Sammy Davis Jr., in späterer Zeit auch King Diamond und Marylin Manson. Durch die Arbeit LaVey´s Tochter Zeena, gelangte die „CoS“ auch nach Amsterdam und von dort aus in die Schweiz und das restliche Europa. Zu ihrer Glanzzeit zählte sie etwa 10.000 Mitglieder.

(Quelle: „Die Satanische Bibel“ von Anton Szandor La Vey 1969)
(“Copyright Second Sight Books”)

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